Roman Šebrle hat in seiner Karriere schon alles gewonnen, trotzdem möchte der König der Leichtathletik auch in diesem Jahr noch einmal nach den Sternen greifen und bei der Hallen-Weltmeisterschaft in Valencia als auch bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking den Titel erringen.
33 Jahre zählt Roman Šebrle inzwischen und nach dem Ende dieser Saison möchte der Weltrekordler im Zehnkampf seine aktive Karriere beenden, aber gerade diese Tatsache scheint den tschechischen Ausnahmeathleten noch einmal so richtig zu motivieren, wobei der Schwerpunkt natürlich auf den Olympischen Spielen liegt. Für die Hallen-Weltmeisterschaft sich
Roman Šebrle zumindest eine Medaille vorgenommen: „Mein Ziel kann nur sein, zu gewinnen. Ohne Medaille aus Valencia zurückzukehren, wäre sehr enttäuschend.“ Die langen Jahre, in welchen Šebrle in der Weltspitze agierte, haben Erfahrungen mit sich gebracht, auf die junge Athleten noch nicht zurückgreifen können, trotzdem werden sie versuchen, einen weiteren Triumpf des Königs der Leichtathletik zu verhindern.
Den aktuellen Weltrekord von 9.026 Punkten im Zehnkampf stellte Šebrle bei einem Mehrkampf-Meeting in Österreich auf, wobei er auch gleichzeitig der erste Sportler war, der die magische Schallmauer von 9.000 Punkten durchbrach. Seinen größten Triumph errang er bei den Olympischen Spielen 2004, als er in einem beeindruckenden Zweikampf mit dem Amerikaner Bryan Clay doch noch die Oberhand behielt. Seinen letzten großen Titel holte Šebrle im vergangenen Jahr bei der Weltmeisterschaft im japanischen Osaka, womit er wirklich alle relevanten Titel der Leichtathletik in seiner Vita verbuchen kann.
Nur noch knapp zehn Tage dauert es noch bis zur Hallenweltmeisterschaft in Valencia. Der deutsche Leichtathletik Verband hat zehn Männer und sechs Frauen für das Event in Spanien nominiert, prominenteste Vertreter sind Stabhochspringer Tim Lobinger und Hochspringerin Ariane Friedrich, die beide am vergangenen Wochenende den deutschen Meistertitel in der Halle erringen konnten.
Vom 7. bis zum 9. März werden in Valencia Frauen und Männer aus allen Erdteilen um die Titel in den verschiedenen Disziplinen kämpfen unterm Hallendach kämpfen. Allerdings verzichten viele erfolgreiche Sportler auf die Teilnahme an der Weltmeisterschaft, weil die Olympischen Spiele in diesem Jahr absolute Priorität genießen. So werden unter anderem der Kugelstoßer Ralf Bartels, die Hürdenläuferin Kirsten Bolm, der 400 m-Läufer Bastian Swillems oder die Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf auf einen Start in Valencia verzichten.
Der leitende Bundestrainer Jürgen Mallow äußerte sich trotz der vielen Absagen optimistisch und hofft, trotzdem ein paar Medaillen zu gewinnen. Die größten Hoffnungen liegen hierbei auf den beiden Stabhochspringern Tim Lobinger und Danny Ecker. Zwar gewann Lobinger am Wochenende die Deutsche Meisterschaft, aber beide überquerten die Höhe von 5,80 Meter und können sich durchaus Chancen ausrechnen, bei der Medaillenvergabe eine entscheidende Rolle zu spielen.
Ähnlich verhält es sich bei Ariane Friedrich. Die 23jährige sicherte sich ebenfalls den Deutschen Meistertitel und kann auch international erste Erfolge nachweisen. Die Sportlerin der LG Eintracht Frankfurt möchte nun auch bei der Weltmeisterschaft für Furore sorgen.
Beim Hallen-Meeting in Fayetteville (USA) unterstrich der Weltklasse-Kugelstoßer seine momentan überragende Form und warf die Kugel auf 22,40 Meter. Dies ist die drittbeste jemals unterm Hallendach erzielte Weite und so langsam nähert
sich der 32jährige dem Weltrekord seines Landmannes Randy Barnes von 22,66 Meter. Damit verbesserte sich der Vizeweltmeister des vergangenen Jahres auf den dritten Rang der ewigen Bestenliste und vor liegen nur noch Randy Barnes und Ulf Timmerman.
Dass die weite für ihn nicht ganz unmöglich ist, hat er im Freien bereits nachgewiesen, wo Nelsons Bestmarke bei 22,51 Metern liegt. Der Kugelstoßer hat sich für dieses Jahr besonders viel vorgenommen, denn nach zwei Silbermedaillen in Sydney und Athen soll es diesmal bei den Olympischen Spielen in Peking endlich die Goldene werden. Nur einmal hatte Adam Nelson einen wichtigen Wettkampf für sich entscheiden können, als er bei der Weltmeisterschaft in Helsinki auf dem ersten Platz landete. Ansonsten wurde der charismatische Sportler, der vor seinen Stößen einige Rituale pflegt, bereits zweimal Olympia-Zweiter und dreimal Vizeweltmeister. Von den über 4.000 Zuschauern im Tyson-Center der Universität von Fayetteville wurde er bereits gefeiert, als ob er die Goldmedaille schon gewonnen hätte.
Für ein weiteres Highlight beim Hallenmeeting sorgte Altmeister Allen Johnson (USA) über die 60 Meter Hürden. In 7,60 Sekunden bewältigte der 36jährige die Strecke und macht sich berechtigte Hoffnungen auf Olympia.
Vor einer Woche beim Meeting in Stuttgart war sie noch knapp an der alten Bestmarke über 60 Meter Hürden gescheitert, doch nun beim Meeting in Karlsruhe siegte Susanna Kallur mit 7,68 Sekunden und stellte einen neuen Weltrekord auf.Die schwedische Ausnahmesprinterin knackte damit den Uralt-Rekord von Ludmilla Naroschilenko aus dem Jahr 1990.
Die 26jährige Europameisterin aus Schweden verbesserte die alte Bestemarke 0,03 Sekunden und gilt nun auch als eine der größten Hoffnungen Schwedens auf eine Medaille bei den Olympischen Spielen in diesem Sommer.
Susanna Elisabeth Kallur wurde in Huntington in den USA geboren, ist aber eine schwedische Leichtathletin. Ihr Vater, Anders Kallur, spielte zu dieser Zeit als Eishockeyspieler bei den New Islanders. Ihr größter Erfolg bisher war der Sieg bei den Europameisterschaften 2006 im heimatlichen Göteborg, wo sie sich über 100 Meter Hürden den Titel sichern konnte. In 12,59 Sekunden begeisterte sie das heimische Publikum mit einem fantastischen Lauf. Bei den
Halleneuropameisterschaften in Madrid 2005 und Birmingham 2007 gewann sie zudem Gold über die 60 Meter Hürden. Etwas enttäuscht war Kallur bei den Weltmeisterschaften im japanischen Osaka, wo sie nur den bitteren vierten Platz belegte, obwohl sie nur 0,05 Sekunden hinter der Siegerin Michel Perry landete.
Das große Ziel in diesem Jahr sind natürlich die Olympischen Spiele in Peking, wo sie gern eine Medaille gewinnen würde. Dafür trainiert die 1,70 Meter große Athletin im heimatlich Falun mit großem Aufwand und Fleiß.
Lange Zeit herrschte im deutschen Turnsport ein riesengroßes Vakuum, denn nach Andreas Wecker und Magdalena Brzeska, die bereits vor Jahren ihre Karrieren beendet hatten, drang kein Sportler in die Weltspitze vor. In dieses Vakuum stieß der erst 20jährige Fabian Hambüchen, der erstmals mit seiner Goldmedaille am Reck bei den Europameisterschaften Debrecen auf sich aufmerksam machte.Inzwischen sind zwei Jahre vergangen und Hambüchen hat seine Titelsammlung erheblich ausgebaut. Mit dem heimischen Publikum im Rücken konnte Hambüchen bei den Weltmeisterschaften 2007 in Stuttgart Gold am Reck erringen. Der
Jungstar konnte sich zudem die Silbermedaille im Mehrkampf sichern und führte die deutsche Riege zur Bronzemedaille. Damit avancierte die Heimweltmeisterschaft zu einer der erfolgreichsten Events für den Deutschen Turnerbund in den vergangenen Jahrzehnten. Als er dann auch noch seinen Titel am Reck bei den Europameisterschaften in Amsterdam wiederholen konnte, hatte sich Hambüchen endgültig in der Weltspitze etabliert.
Wie groß inzwischen die Resonanz auf seine Erfolge ist, zeigt die Tatsache, dass Hambüchen 2007 zum Sportler des Jahres gekürt wurde. Außerdem ist das Interesse an seiner Person und dem Turnsport derart gewachsen, das große Events wieder Millionen vor die Fernsehbildschirme und Tausende in die Hallen lockt. Mit seinen Erfolgen nährt Hambüchen aber auch die Hoffnungen des Verbandes und der Öffentlichkeit auf große Erfolge bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking. An seinem Spezialgerät, dem Reck, und im Mehrkampf besitzt der junge Bergisch-Gladbacher durchaus Chancen, Medaillen zu gewinnen. Sollte das deutsche Team ähnlich wie bei der Weltmeisterschaft über sich hinaus wachsen, wäre auch dort eine Medaille im Bereich des Möglichen.
Seine Fans drücken ihm auf jeden Fall die Daumen für Peking und man hofft auf ähnliche Erfolge wie in den vergangenen Jahren.
Einer der schillerndsten Leichtathleten der vergangenen Jahre hat gestern bei einem Besuch der olympischen Stätten in Peking seinen Rücktritt vom aktiven Sport erklärt – Maurice Greene. Der zweifache Olympiasieger gab mentale Probleme und die andauernde Verletzungsanfälligkeit als Grund für den Rücktritt an.
Greene erblickte 1974 in Kansas City das Licht der Welt und begann seine aktive Karriere bei den Weltmeisterschaften 1995 in Göteborg (Schweden). Allerdings verliefen die ersten beiden Jahre seiner Karriere alles andere als erfolgreich,
denn weder bei den Weltmeisterschaften 1995 noch bei den Olympischen Spielen in Atlanta konnte er in Erscheinung treten. Mit seinem Sieg auf der 100-Meter Distanz bei der Leichtathletik-WM in Athen 1997 begann der Stern des Maurice Greene zu leuchten. In den folgenden Jahren sollte er das Geschehen auf den 100 Metern über lange Zeit dominieren wie einst nur Carl Lewis gelungen war.
Bei den Olympischen Spielen in Sydney holte Greene die Goldmedaille über die 100 Meter sowie in der 4 x 100-Meter-Staffel. 2004, bei den Spielen in Athen wurde er allerdings nur noch Dritter und errang mit der Staffel die Silbermedaille. Besonders erfolgreich war Greene bei Weltmeisterschaften. Er siegte über die 100 Meter 1997 in Athen, 1999 in Sevilla und 2001 in Edmonton, über die 200 Meter 1999 in Sevilla sowie an gleicher Stelle mit der Staffel. Bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Maebashi 1999 gewann Greene über die 60 Meter.
Die Krönung seiner aktiven Karriere war der Weltrekord über die 100 Meter aus dem Jahr 1999. Bei einem Meeting in Athen lief Greene die Strecke in 9,79 Sekunden. Dieses hielt er bis ins Jahr 2005, als er von Asafa Powell unterboten wurde.
Künftig möchte Greene als Trainer im Leichtathletik-Zirkus tätig sein. In Erinnerung bleibt ein beeindruckender 100-Meter-Sprinter, der über ein Jahrzehnt lang diese Strecke mit seinen Leistungen bereicherte.
Am vergangenen Wochenende trafen sich die Leichtathleten zum Hallen-Meeting in Stuttgart und konnten mit einigen guten Leistungen auf sich aufmerksam machen. Die Schwedin Susanna Kallur und der Kubaner Dayron Robles schrammten dabei ganz knapp am Weltrekord vorbei.
Kallur lief dabei vor 7.500 Zuschauern in Hans-Martin-Schleyer Halle die zweitschnellste jemals gelaufene Zeit über die 60 Meter Hürden. Mit 7,72 Sekunden lag sie nur knapp unter dem Weltrekord aus dem Jahr 1990 der Russin Ludmilla Naroschilenko, die seitdem den Rekord mit 7,69 Sekunden inne hat. Ebenso erging es dem 21jährigen Dayron Robles, der über die gleiche Strecke mit 7,36 Sekunden erfolgreich war und dabei nur sechs Hundertstel über der Zeit von Colin Johnson aus dem Jahr 1994 lag. Damit gehören die 60 Meter Hürden zu den Top-Laufstrecken der Schwedin, die auch über den 100 Meter Hürden bei Olympia auftrumpfen möchte.
Enttäuschend war die Bilanz der hoch gehandelte deutschen Stabhochspringer, denn weder Leichtathlet des Jahres Danny Ecker noch Tim Lobinger wussten zu überzeugen. Während Lobinger mit 5,70 Meter noch Vierter wurde, überquerte Danny Ecker nicht einmal die Einstiegshöhe von 5,45 Meter. Den Sieg sicherte sich der Russe Jewgeni Lukjananko mit einer Höhe von 5,81 Metern.
25.000 Euro waren für den Hallen-Weltrekord über 3.000 Meter vom Veranstalter Alain Blondel ausgelobt worden, doch Olympiasiegerin Meseret Defar blieb mit 8:27,93 Minuten klar über der Bestmarke von 8:23,72 Minuten. Die äthiopische Langstreckenläuferin hatte den Rekord selbst vor einem Jahr beim Laufen an selber Stelle aufstellen können.
Alles in allem war das Meeting ein großer Erfolg in Stuttgart, wo die Zuschauer teilweise Weltklasseleistungen zu Gesicht bekamen.
Bei der Wahl der Leichtathleten des Jahres gingen Franka Dietzsch und Danny Ecker siegreich aus der Wahl hervor. Die Diskuswerferin Dietzsch hatte im Januar bei der Weltmeisterschaft im japanischen Osaka im Alter von 39 Jahren die Goldmedaille errungen. Danny Ecker konnte ebenfalls bei den Wettkämpfen überzeugen und holte im Stabhochsprung die Bronzemedaille.
Insbesondere Franka Dietzsch hat diese Auszeichnung verdient, denn sie holte überraschend bei den Weltmeisterschaften im Alter von 39 Jahren die Goldmedaille. Dies war bereits ihre dritte Goldmedaille bei Weltmeisterschaften. Zudem holte die gebürtige Mecklenburgerin noch den Titel bei den Europameisterschaften 1998 in Budapest sowie die Silbermedaille bei den letzten Meisterschaften in Göteborg. Nur bei den Olympischen Spielen blieb der sympathischen Diskuswerferin eine Medaille verwehrt. 1996 in Atlanta belegte sie den undankbaren 4. Platz. Man darf gespannt sein, ob es ihr in ihrem hohen Sportleralter noch einmal gelingt, bei Olympia 2008 in Peking den Titel zu erringen.
Danny Ecker agiert immer ein wenig im Schatten von Tim Lobinger, obwohl er bereits große Erfolge vorweisen kann. Im vergangenen Jahr holte Danny Ecker den Titel bei der Deutschen Meisterschaft und wiederholte damit seinen Triumpf aus dem Jahr 2004. Zudem konnte er bei der Weltmeisterschaft in Osaka eine Bronzemedaille erringen und scheiterte nur knapp im Kampf um den Titel. Auch für Danny Ecker heißt das große Ziel des Jahres natürlich Olympia. Der 30jährige aus Leverkusen hofft auf einen ähnlichen Erfolg wie bei den vergangenen Weltmeisterschaften. Einen großen Titel konnte Danny Ecker aber schon erringen, er gewann beim TV-Total-Turmspringen mit seinem Partner Kai Bögelund.